Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise

Ungekürzte Lesung mit Torben Kessler (6 CDs)

Jean-Paul Dubois

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Beschreibung

Warum sitzt ein unauffälliger Mensch wie Paul Hansen im Gefängnis von Montréal? Der in Frankreich aufgewachsene Sohn eines Pastors hatte schon einiges hinter sich, bevor er seine Berufung als Hausmeister in einer exklusiven Wohnanlage in Kanada fand. Jahrelang lief alles rund – die Heizungsanlage ebenso wie die Kommunikation. Doch eines Tages brannte Paul die Sicherung durch. Nun erträgt er mit stoischer Ruhe seinen Zellengenossen, einen Hells-Angels-Biker, der sich jedoch von einer Maus ins Bockshorn jagen lässt. Paul hat viel Zeit zum Nachdenken – Zeit für tragikomische Lebenslektionen und unerwartetes Glück.

Ungekürzte Lesung mit Torben Kessler
6 CDs | ca. 7 h 18 min

Jean-Paul Dubois, geboren 1950 in Toulouse, studierte Soziologie und arbeitete zunächst als Sportreporter. Er hat über zwanzig Romane veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Prix Goncourt. Er zählt zu den wichtigsten französischen Autoren der Gegenwart.

Torben Kessler, geboren 1975, gehört nach Stationen in Frankfurt und Düsseldorf aktuell zum Ensemble des Schauspiel Hannover. Rollen in »Polizeiruf 110« und »Tatort« sowie »Der Baader Meinhof Komplex« machten ihn einem größeren Publikum bekannt. Für DAV hat er u. a. »Drei Tage und ein Leben« von Pierre Lemaitre eingelesen.

Produktdetails

Verkaufsrang 2081
Medium CD
Sprecher Torben Kessler
Spieldauer 474 Minuten
Erscheinungsdatum 24.07.2020
Verlag Der Audio Verlag
Hörtyp Lesung
Übersetzer Nathalie Mälzer, Uta Rüenauver
Sprache Deutsch
EAN 9783742416636

Kundenbewertungen

Durchschnitt
10 Bewertungen
Übersicht
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Eine Perle!
von Susanne Probst aus Ulm am 12.08.2020
Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Gleich mal vorneweg: Der Titel gefällt mir gar nicht. Ich finde ihn zu lange, zu sperrig und ziemlich unpassend. Die folgende Rezension ist recht lang. Warum? Weil meine Begeisterung so groß ist. Die Kurzversion: Unbedingt lesen! Ein Highlight. Wir beginnen zu lesen, reisen zurück in den Dezember 2009 und befinden uns ... Gleich mal vorneweg: Der Titel gefällt mir gar nicht. Ich finde ihn zu lange, zu sperrig und ziemlich unpassend. Die folgende Rezension ist recht lang. Warum? Weil meine Begeisterung so groß ist. Die Kurzversion: Unbedingt lesen! Ein Highlight. Wir beginnen zu lesen, reisen zurück in den Dezember 2009 und befinden uns zusammen mit dem 54 jährigen Ich-Erzähler Paul und seinem Mithäftling, dem Hells-Angel-Biker Patrick, in einer 6 m² großen Zelle in einem Gefängnis in Montreal. Der schlaflose Paul. Der vor Zahnschmerzen im Schlaf stöhnende Patrick. Wehmütige und beruhigende Erinnerungen. Ratten und Mäuse. Dunkelheit. Kälte. Seit neun Monaten teilen sich die Beiden ihr kärglich eingerichtetes Domizil in der Haftanstalt. Patrick war wohl an einem Mord beteiligt, Paul konnte gerade noch von einem Mord abgehalten werden. Paul, der ein Vierteljahrhundert lang engagiert und selbstlos seiner Hausmeistertätigkeit in einer exklusiven Wohnanlage nachging, muss nun 2 Jahre im geschlossenen Vollzug verbringen, vermisst seine Arbeit und erinnert sich immer wieder an seine verstorbenen Lieben: Pastor Johanes, sein Vater. Die Algonkin-Indianerin Winona, seine Frau. Nouk, seine Hündin. Wie konnte aus Paul, der zunächst und auch im weiteren Verlauf des Romans einen so sympathischen, empathischen, zuverlässigen, fleißigen, hilfsbereiten und rechtschaffenen Eindruck macht, fast ein Mörder werden? Was bringt einen gutmütigen Menschenfreund wie ihn dazu, jemanden fast umzubringen? Warum sträubt sich Paul, der im Gefängnis hervorragende Beurteilungen für sein vorbildliches Benehmen bekommt und gute Aussichten auf Strafverkürzung hat dagegen, auszusprechen, dass er sich der Schwere seiner Tat bewusst ist und dass er sie aufrichtig bereut? Im Verlauf lässt uns Dubois abwechselnd in Pauls Vergangenheit und in das Hier und Jetzt der Gefängniszelle eintauchen. Wir erfahren auf diese Weise so Einiges über Pauls Herkunft und Aufwachsen. Sein Vater wuchs in Skagen, einer kleinen Stadt in Dänemark, auf. Mit seiner Berufswahl kehrte er der familiären Tradition, Fischer zu werden, den Rücken. Seine Mutter Anna wurde in Toulouse geboren, war die Tochter von Kinobesitzern und trat schließlich in die beruflichen Fußstapfen ihrer Eltern. Die beiden trafen sich in Skagen, heirateten und zogen nach Toulouse, wo 1955 Paul das Licht der Welt erblickte. Seine Kindheit und Jugend scheinen unauffällig und durchschnittlich gewesen zu sein. Es fallen keine großartig erschwerenden Entwicklungsbedingungen auf. Auffallend ist, dass die Beziehung zu seiner Mutter ziemlich kühl und distanziert war und weitere Schwierigkeiten scheinen zu sein, dass sein Vater, der Pastor, sich nicht gut in Frankreich integrieren konnte, er war Däne mit Leib und Seele, und dass seine Mutter, eine fortschrittlich denkende Kinobesitzerin, mit Kirche und Religion so gar nichts anfangen konnte und keine Rücksicht auf den Beruf ihres Mannes nahm. Beides führte immer wieder zu Streitigkeiten und Zerwürfnissen. Erst weniger, dann immer mehr. Durchs Abitur rutschte Paul gerade so durch, das Studium gefiel ihm nicht besonders. Zu Hause lebte man nebeneinander her, die Streitpunkte zwischen den Eltern wurden gewichtiger und ernster. Kino gegen Kirche. Der Vater wurde schließlich entlassen. Seine Frau hat es mit ihrer Geschäftstüchtigkeit allzu ernst genommen und Rücksichtslosigkeit und Unnachgiebigkeit haben Oberhand genommen. Trennung, Neubeginn... Eine auf den ersten Blick relativ unspektakuläre, wenn auch sehr traurige Geschichte des Scheiterns einer Ehe und des Zerbrechens einer Familie. Eine Geschichte, wie man sie leider zu häufig antrifft. Wieder drängt sich die Frage auf: Wann ist was passiert, das Paul fast zu einem Mörder werden ließ? Sprachlich gefiel mir die Lektüre ausgezeichnet: ein lockerer, leichter, bisweilen flapsiger Plauderton, einerseits nüchtern und emotionslos, die Gefühle entstehen beim Leser wie von selbst, andererseits mit viel Witz und trockenem Humor. Diese nüchterne und zum Teil sarkastische Erzählweise zeigt die Brillanz des Autors, denn er gibt dem Ich- Erzähler Paul damit einen seiner Situation angemessenen Erzählton. Menschen, die einen grossen emotionalen Schmerz mit sich herumtragen, können über ihre innere Not oft nur reden, wenn sie es genau auf diese Weise tun. Paul gehört meines Erachtens zu diesen Menschen. Angereichert hat Dubois seine Geschichte mit schönen Bildern, beeindruckenden Metaphern und interessanten sowie detaillierten Informationen zu diversen Themen. Ausufernd oder langweilig werden diese Ausflüge zu Autos, Asbestbelastung, Laurens Hammond und seiner Hammond - Orgel, Pferderennen, den komplizierten Instandhaltungsmaßnahmen von Schwimmbädern und zum vielseitigen und anstrengenden Beruf eines Hausmeisters jedoch nicht. Klare, detaillierte und ungeschönte Beschreibungen des Gefängnisalltags kommen in dem 256 seitigen Roman auch nicht zu kurz. Es ist gleichermaßen eklig wie amüsant, die Entleerungszenen von Patrick detailreich beschrieben zu bekommen. Überhaupt ist Patrick einer, der der Geschichte Pep und Leichtigkeit verpasst. Und Patricks Charakter und Struktur ist es auch, die, wie die von Johanes und Paul, von Dubois wunderbar seziert wird. Dubois lässt sich Zeit beim Erzählen und erschafft ein unaufgeregtes und ruhiges Stück Literatur. Er ist ein Meister der bildhaften Umschreibung neutraler und wohlgefälliger Dinge. Statt „(sie) kritisierten leidenschaftlich die Obszönität der gezeigten Filme“ schreibt er „(sie) kritisierten leidenschaftlich die widernatürliche Verwendung dieser weit geöffneten Kehle.“ (S. 76) Ich kann nicht umhin, einige Beispiele für seinen Witz und für wunderbare Formulierungen anzuführen: In Skagen spricht man „Fisch“ (S. 26) und Religion ist eine „Sportart“ (S. 27). „Ein langes Pfeifen, ein leichtes Ruckeln, und der Motor genehmigte sich ein Mittagsschläfchen von drei Stunden.“ (S. 54) Um zu beschreiben, wie der Pastor eine Predigt hält, schreibt er: „Er schwamm durch seine Worte wie ein Fisch im Wasser.“ (S. 115) „Die Walze der Stunden zermalmt in ihrem unerbittlichen Voranrollen jedes Quäntchen Hoffnung, das in mir noch vorhanden sein möchte.“ Ich könnte noch unzählige beeindruckende Formulierungen anführen. Die Figuren werden nicht eindimensional als Stereotype, sondern in ihrer Komplexität dargestellt. Es ist z. B. sehr interessant und amüsant, die unterschiedlichen Seiten von Patrick kennenzulernen. Mich überzeugte der Roman mit seiner Sprache, den wunderbaren Bildern, der abwechslungsreichen und zunehmend packenden Handlung, den interessanten Informationen, der stimmigen Auflösung und dem rundes Ende. Paul scheint, trotz aller Widrigkeiten seinen inneren Frieden gefunden zu haben und ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt. Dieser Roman ist eine Perle, der die Auszeichnung Prix Goncourt 2019 verdient hat.

Wie kommt ein Philanthrop ins Gefängnis?
von einer Kundin/einem Kunden aus Baden-Württemberg am 12.08.2020
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Die Aufzeichnungen des Ich-Erzählers Paul setzen 2009 ein. Paul sitzt in der Haftanstalt Montreal ein. Sein Strafmaß lautet auf 2 Jahre, 14 Monate hat er bereits abgesessen. Er verschmäht eine Haftverkürzung, zeigt keine Reue für das begangene Verbrechen, das fast bis zum Ende des Romans nur in Andeutungen Erwähnung findet. Paul... Die Aufzeichnungen des Ich-Erzählers Paul setzen 2009 ein. Paul sitzt in der Haftanstalt Montreal ein. Sein Strafmaß lautet auf 2 Jahre, 14 Monate hat er bereits abgesessen. Er verschmäht eine Haftverkürzung, zeigt keine Reue für das begangene Verbrechen, das fast bis zum Ende des Romans nur in Andeutungen Erwähnung findet. Pauls ungleicher Zellengenosse Patrick ist äußerlich ein bulliger Hüne, der passionierter Harley-Biker sowie Mitglied bei den Hells Angels ist. Innerlich ist er ein kameradschaftlicher, liebenswerter Typ mit verschiedenen Phobien. Patrick soll in einen Mord im Biker-Umfeld verwickelt sein und wartet noch auf seinen Prozess. Paul betrachtet das Gefängnis als einen lebenden Organismus: „Zu dieser Stunde schläft das Gefängnis. Nach einer gewissen Zeit, wenn man sich an seinen Stoffwechsel gewöhnt hat, hört man im Dunkeln sein Atmen wie das eines großen Tiers, hin und wieder Husten und sogar Schlucken. Das Gefängnis verschlingt uns, verdaut uns, und, zusammengerollt in seinem Bauch, gekauert in die nummerierten Falten seiner Gedärme, zwischen zwei Magenkrämpfen, schlafen und leben wir, so gut es geht.“ (S. 9) Die Haftzustände sind miserabel: Schlechtes Essen, Kälte, Ungeziefer, keine Privatsphäre – der Alltag wird sehr trostlos geschildert. Paul und Patrick freunden sich an. Paul scheint ein zutiefst trauriger Mensch zu sein. Regelmäßig besuchen ihn seine „drei Toten“, das sind sein Vater Johanes Hansen, seine Frau Winona und seine Hündin Nouk. Insofern ist die Grundstimmung gedrückt. Paul erzählt seine Geschichte jedoch durchaus leichtfüßig, er lamentiert nicht und würzt manche Szene mit einem ironisch-zynischen Unterton, der dem Geschehen die Schwere nimmt. Paul erzählt Bedeutsames aus seinem Leben. Als Sohn eines dänischen Pastors und einer französischen Kino-Betreiberin hatte er eine unbeschwerte Kindheit. Erst mit der Trennung der Eltern, da war Paul 20 Jahre alt, gerät die Familie in unruhigere Fahrwasser: „ Das Jahr 1975, in dem ich zwanzig wurde, markierte das Ende einer Welt, der unsrigen, der der Hansens, der Leute des Nordens und des Südens, die so viele Kilometer überwunden und so viele private Opfer auf sich genommen hatten, um sich zu vereinigen.“ (S. 70) Paul ist ein fauler Student, jedoch ein passionierter Handwerker mit Interesse für alles Technische. Seine Erzählung gleitet durch die Zeit, sie erzählt nicht nur Episoden aus dem privaten Umfeld der Familie Hansen, sondern auch Ereignisse aus dem gesellschaftspolitischen Bereich. Diese Einschübe führen zeitweise von der Haupthandlung weg, die sich im Wesentlichen um den Alltag in der Haftanstalt 2009 und die Lebensgeschichte der männlichen Hansens dreht. Nach der Scheidung migriert Johanes nach Kanada, um dort neu anzufangen. Dem Pastor gelingt die Rückkehr in ein befriedigendes Arbeitsleben in Thetford Mines, einem Städtchen, das von der Asbest-Gewinnung lebt. Paul verdingt sich als Praktiker, bis er schließlich als Gebäudeverwalter der Wohnanlage Excelsior eingestellt wird. Eine Tätigkeit, die ihn über lange Jahre ausfüllt, wohnen doch 68 Parteien in dem Komplex. Paul ist weit mehr als ein Verwalter, er ist der gut integrierte Mann für alle Fälle mit dem Herz am rechten Fleck. Leider verlaufen die Leben von Paul und seinem Vater nicht geradlinig. Es gibt Schicksalsschläge und falsche Entscheidungen, die zu mehr Tiefen als Höhen führen. Während des Lesens war ich manchmal irritiert. Was ich oben als vom Hauptgeschehen wegleitende Einschübe bezeichnete, hat bei mir stellenweise Langeweile ausgelöst, ich konnte keinen Sinn darin erkennen. Manche Episode steht für eine Epoche, auch für Probleme der Zeit, doch es werden auch Skurrilitäten geschildert, die den Ernst des Romans auflockern. Nach der Beendigung der Lektüre jedoch erschloss sich mir so manche Szene, vieles passt zusammen. Der Autor hat seine Geschichte sehr intelligent konzipiert. Die zunächst vagen Andeutungen bekommen mit Kenntnis des Gesamtwerks (überwiegend) einen Sinn. Er behandelt ein großes Spektrum an Themen, hat eine Fülle facettenreicher Charaktere geschaffen, die uns durch den Erzähler glaubwürdig geschildert werden und unterschiedlichen Milieus entstammen. Die Palette geht dabei von rührend bis skrupellos, die Stärke liegt im Dazwischen. Er schildert glückliche Zeiten, Abschiede, er berichtet von Zweifel, Scheitern und Neuanfang. Lange Zeit passt sich Protagonist Paul an die Unwägbarkeiten des Lebens an und versucht, das Beste für sich und seine ihm Anvertrauten zu tun. Er ist ein Menschenfreund, ein Sympathieträger. Bis es irgendwann zu dem Ereignis kommt, das ihn in die Haftanstalt bringt. Das Besondere am Roman ist die Sprache, die mir zu beschreiben schwer fällt, weil sie einfach einzigartig ist. Paul berichtet in Metaphern und Bildern sehr ausdrucksstark. Fast auf jeder Seite möchte man zitieren oder markieren. Große Gefühle werden auf den Punkt gebracht: „Meine Frau war der Umhang, der Stab, das Kaninchen und der Hut zugleich.“ (S. 216) Das Ende des Romans beinhaltet Ende und Anfang. Der Erzähler macht sich wohl eine Philosophie seines Kumpels Patrick zu eigen: „Das Leben ist wie die Gäule, mein Sohn: Wenn es dich abwirft, hältst du die Schnauze und steigst sofort wieder auf.“ (S. 232) Insofern ist es kein durchweg trauriges Buch, sondern ein nachdenkliches. Für mich persönlich musste das Lektüreerlebnis noch etwas nachreifen, ich musste das Gelesene setzen lassen, das Buch noch ein paar Mal durchblättern… Völlig zu Recht hat dieser besondere Roman den Prix Goncourt 2019 gewonnen. Bitte lest dieses Buch, aber gebt ihm - wie einem guten Wein - die Zeit, die es braucht, um sich zu entfalten. 4,5/5 Sterne

Die eigentümliche Lebensgeschichte von Paul Hansen
von claudi-1963 aus Schwaben am 12.08.2020
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

"Das Excelsior war wie Zahnpasta, schnell dabei, aus der Tube zu quellen, doch wenig bestrebt, wieder in sie zurückzukehren." (Buchauszug) Paul Hansen sitzt im Gefängnis in Montreal in einem baufälligen, heruntergekommenen Condo, das sie zu zweit belegen. Sein Mitinsasse Hells Angel Biker Patrick, ein Hüne von Mann hat genauso ... "Das Excelsior war wie Zahnpasta, schnell dabei, aus der Tube zu quellen, doch wenig bestrebt, wieder in sie zurückzukehren." (Buchauszug) Paul Hansen sitzt im Gefängnis in Montreal in einem baufälligen, heruntergekommenen Condo, das sie zu zweit belegen. Sein Mitinsasse Hells Angel Biker Patrick, ein Hüne von Mann hat genauso seine Eigenheiten wie Paul selbst. So bekommt er zum Beispiel von einer Maus regelrecht Panik. Wir gehen zurück in Pauls Vergangenheit nach Frankreich, wo er als Sohn eines dänischen Pastors und einer französischen Mutter und Kinobesitzerin zur Welt kam. Doch nach der Scheidung ihrer Eltern zieht der Vater nach Kanada, wo später auch Paul sein neues Leben beginnt. Als Hausmeister im Excelsior fristet er sein Leben, zwischen Swimmingpool, Heizanlagen und alten Menschen. Lediglich seine Frau Winona und Hund Nouk geben seinen Leben einen Sinn. --- Meine Meinung: Das preisgekrönte Buch des Franzosen Jean-Paul Dubois, hat mich durch den Klappentext neugierig gemacht, den bisher kannte ich diesen Autor noch nicht. Besonders weil es ausgezeichnet wurde, wollte ich gerne mehr von Paul Hansens Vergangenheit wissen. Der Schreibstil ist einfach, allerdings nicht gerade so, dass man dieses Buch nebenher lesen kann. Den der Inhalt ist schon teilweise recht technisch, kompliziert und durchaus auch mal trocken. Ich war schon etwas enttäuscht, den ich hatte doch teilweise eine etwas andere Vergangenheit erwartet. Sei es die Lebensgeschichten der Eltern, die unterschiedlicher nicht sein kann, sie scheitert dann auch irgendwann an ihren recht verschiedenen Interessen. Leidtragender aus dem Ganzen ist natürlich wie immer der Sohn in dem Fall Paul. Zudem wirkt Dubois Humor in diesem Buch oft auf mich recht trocken und nicht immer kann ich mich darüber amüsieren. Besonders wenn viele Einlagen den Gastrointestinaltrakt betreffen, fand ich das schon ein wenig schräg. Doch mitunter bringt er auch recht humorvolle Einlagen, sei es die Haare schneiden bei Zellengenosse Patrick. Dieser hat deshalb eine regelrechte Phobie, bei der bis auf seine Mutter, seither jeder gescheitert ist. Überhaupt gefallen mir die Abschnitte, bei denen ich Paul im Gefängnis erlebe besonders gut. Dagegen sind viele Szenen aus der Vergangenheit regelrecht überladen mit technischen Details oder für mich einfach zu belanglos. Am ehesten gefiel mir noch die Zeit, wo er als Hausmeister und Mädchen für alles im Excelsior arbeitet. Dieses Gebäude, das für mich ein wenig wie ein exquisites Altenheim vorkommt, bestimmt immer mehr Pauls Leben. Den mit den Jahren ist er nicht nur Hausmeister, sondern übernimmt immer mehr zeitaufwendige Tätigkeiten für die älteren Insassen. Dieses Buch ist eine Geschichte, die man wirklich in Ruhe lesen sollte. Man darf sich dabei nicht ablenken lassen, sonst überliest man recht schnell die kleinen Details, die der Autor hier gerne mit einbaut. Es gibt wenig Höhepunkte, sondern Pauls Leben plätschert im Grunde so dahin, wie es begonnen hat. Wenn überhaupt, dann vielleicht erst am Schluss, als man erfährt, warum er in Haft ist. Für mich war es allerdings wenig überraschend, da ich gegen Ende zu mir schon fast denken konnte, warum er im Gefängnis war. Die Charaktere sind zwar alle recht gut durchdachte, doch für mich blieben sie teilweise zu oberflächlich. Trotz einiger Enttäuschungen und anderen Erwartungen, konnte mich dieses Buch dann doch noch etwas begeistern, deshalb von mir 3 1/2 von 5 Sterne.


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